1. Mai
Deutschlandweit eine halbe Million Menschen auf der Straße
Bei den diesjährigen Mai-Demos, an denen nach Angaben des DGB deutschlandweit etwa 500.000 Menschen teilgenommen haben, stand die Wirtschaftskrise und der Kampf gegen die Abwälzung ihrer Lasten auf die werktätige Bevölkerung in Deutschland im Vordergrund. Am 1. Mai wurde - wie auch schon am 28. März - deutlich, dass immer mehr Menschen die »Schnauze voll« davon haben, zugunsten der Kapitalisten auf ihre Löhne und auf ihre Rechte zu verzichten.
Wir dokumentieren im folgenden einige Berichte und Bilder von den Mai-Aktionen
vor Ort: Bochum
(Korrespondenz) 3000 Teilnehmer zogen in drei Demonstrationszügen
und einem kleineren Motorradcorso zum Kundgebungsplatz am Willy-
Brandt-Platz vor dem Bochumer Rathaus. Das waren etwa ein Drittel
mehr als in 2008.
Trotz des schlappen und opportunistischen
DGB-Mottos "Arbeit für alle bei fairem Lohn!" zeigte sich auf vielen
Transparenten und Sandwiches in verschiedenen Formulierungen die
"informelle" Parole "Wir zahlen nicht für Eure Krise!" Besonders hervorzuheben
ist der von der IGM-Jugend mit gutem Leittransparent und einheitlichen
schwarzen T-Shirts mit der gelben Aufschrift "Operation Übernehmen"
gebildete Block. Er bestand aus etwa 150
Auszubildenden von Opel und Auszubildenden aus anderen betrieblichen
Lehrwerkstätten.
Wie schon im Vorjahr hatten wir zusammen mit den Genossen der
KPD/ML einen gemeinsamen Info- und Literaturstand aufgebaut.
Obwohl uns die Organisatoren zusammen mit DKP, SDAJ und
MLPD etwas abseits vom Zentralplatz postiert hatten, konnten
wir ein im Vergleich zum Vorjahr merklich erhöhtes Interesse an unserm
Stand feststellen. Die Auslagen von Klassikertexten, eigenen Schriften
und fortschrittlicher Literatur wurden beachtet und vereinzelt
gekauft.
Ausgehend von unserem gemeinsamen Aufruf, hatten wir unsere
Zeitungen - Arbeit-Zukunft, Roter Morgen, Roter Stern - als Paket angeboten.
Das fand ein vergleichsweise reges Interesse und fand auch mehr
Absatz. Wir konnten eine ganze Reihe guter politischer Gespräche führen
und Adressen wurden ausgetauscht. Im Hintergrund hatten wir unsere
Schautafeln zur Wanderausstellung über den Afghanistankrieg aufgehängt.
Auch hiervon nahmen Vorübergehende Kenntnis.
Unser Kontingent von mehreren hundert Mai-Aufrufen war noch vor dem
Ende der Abschlußkundgebung erschöpft.
Kiel
(www.arbeit-zukunft.de) In Kiel ging es um 10 Uhr traditionell am
Wilhelmplatz los. Zur Demonstration kamen rund 800 Kollegen und Kolleginnen. Erstmals wurde am Hafen, mit Blick auf die HDW-Werft, eine Zwischenkundgebung abgehalten. Hans Kiel, Betriebsratsvorsitzender der HDW, sprach zur katastrophalen Lage der Werftindustrie. Um 11 Uhr begann
die Kungebung vor dem Gewerkschaftshaus, die Hauptrede hielt Kirsten Jöhnck von der ver.di Landesleitung Nord. Erfreulicherweise nimmt der DGB
in Kiel auch eindeutig gegen faschistische Organisationen Stellung: "Wir
Gewerkschaften stellen uns allen Rassisten, Antisemiten und Nazis entgegen,
die den 1. Mai, den Tag der Arbeit, für ihre menschenverachtende
Gesinnung missbrauchen wollen. Der DGB wird sich weiter aktiv für eine
demokratische, freie und tolerante Gesellschaft einsetzen. Der 1. Mai ist
bunt – nicht braun. An die Politik richten wir mehr denn je den dringenden
Appell, alles zu tun, um ein NPD-Verbot voranzutreiben und den
braunen Sumpf trocken zu legen."
Der DGB-Vorsitzende der KERNRegion, Ralph-Müller Beck, sitzt als
Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion in der Ratsversammlung. Wir sind sehr
gespannt, ob er dort in den nächsten Wochen gegen die Schützenhilfe der
Kieler Polizei für gewalttätige Nazis Stellung beziehen wird (siehe AZ vom
27. April d. J.).
Genossen von AZ und der KPD führten viele Gespräche mit
Teilnehmer/innen und alten Bekannten, verteilten den gemeinsamen
Maiaufruf und Arbeit Zukunft.
Köln
(www.arbeit-zukunft.de) Die 1. Mai Demo in Köln begann um 11 Uhr am
Hans- Böckler-Platz vor dem Gewerkschaftshaus und zog von da
aus zum Neumarkt, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Die
Teilnehmer/innen, die jedes Jahr am 1. Mai auf die Strasse gehen, waren
sich einig: Dieses Jahr ist die Beteiligung höher und die Stimmung
kämpferischer.
Der DGB hat die Teilnehmerzahl bei der Abschlusskundgebung auf 8.000
geschätzt. Verursacht durch die ersten Folgen der Krise, die unsicheren
Arbeitsplätze, Kurzarbeit und sonstigen Angriffe vom Kapital auf die
Arbeiterklasse war die Stimmung auch sehr ernst. Es war kein Tag zum
Feiern, sondern ein Tag der Solidarität unter den Arbeitern.
Die verschiedenen Migrantenvereine aus der Türkei, die zahlenmäßig stark
vertreten waren, sorgten auch bei den deutschen Kollegen durch ihre Live-
Musik und ihre kämpferische Art für viel Aufsehen und Zustimmung.
Allgemein war die Beteiligung von Arbeitern mit Migrationshintergrund,
ob Türke, Kurde, Italiener oder einer anderen Nation, sehr hoch.
Bei den Reden wurde auch auf die am 9. Mai stattfindende „Anti-
Islamkonferenz“ von „Pro-Köln“ aufmerksam gemacht und betont, dass
faschistisches Gedankengut bekämpft werden muss. Köln ist bunt und nicht
braun, war auch hier der Slogan. Wir verteilten den gemeinsamen
Aufruf zum 1.Mai von KPD, KPD/ML und uns, sowie „Arbeit
Zukunft“. Wir führten viele interessante Gespräche, auch über die vielen
K-Gruppen, die alle ihre Flugblätter verteilten und für viel Verwirrung bei
den Arbeitern sorgten. Auch hier stellte sich heraus, dass der Aufbau
einer starken Kommunistischen Partei notwendig ist, um diese
Verworrenheit aufzulösen.
| Roter Morgen 2/2009
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