Internationaler Arbeiterfrauentag
Ein Beitrag zum 8. März
Auch in diesem Jahr gehen am 8. März, dem Internationalen Arbeiterfrauentag, Frauen in aller Welt auf die Straße, um für gleiche Rechte, gegen Gewalt und Unterdrückung und das Patriarchat in der kapitalistischen Gesellschaft zu demonstrieren.
Der Kampf der Frauen für gleiche Rechte reicht bis zur Französischen Revolution und zu Frauen wie Olympe de Gouges zurück, die sich für Bildung und gegen die Versklavung der Frau einsetzte.
Den ersten Streik von Frauen an einem 8. März gab es schon 1857.
Viele erinnern am Internationalen Frauentag aber vor allem an den 8. März 1908, als in New York Tabak- und Textilarbeiterinnen für das Frauenwahlrecht, kürzere Arbeitszeiten, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen demonstrierten. In der Firma Cotton wurden die Frauen vom Fabrikbesitzer und den Aufsehern in der Textilfabrik eingeschlossen, um eine Solidarisierung der Gewerkschaften und anderer Belegschaften zu verhindern. Aus ungeklärten Gründen brach dann ein Brand aus. Nur wenigen der eingesperrten - meist jüdischen und italienischen - Arbeiterinnen gelang die Flucht. 129 Arbeiterinnen starben in den Flammen.
Am 20. Februar 1909 fand der erste nationale Frauentag in den Vereinigten Staaten statt. Im gleichen Jahr streikten 20.000 Näherinnen in Manhatten. Tausende wurden verhaftet, doch die Unternehmer mussten ihren Forderungen nach zweimonatigem entschlossenem Streik nachgeben. Diese Ereignisse gaben Anlass einen Internationalen Frauentag ins Leben zu rufen.
Eine wichtige Kämpferin für die Rechte der Frauen und Mitbegründerin des internationalen Frauentags war die Kommunistin Clara Zetkin. Gemeinsam mit Frauen wie Käte Duncker, Alexandra Kollontai und Inessa Armand konnte sie sich gegen Teile der Arbeiterinnenbewegung durchsetzen, die in der Arbeit von Frauen angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in erster Linie eine Bedrohung für die Beschäftigung der Männer sahen. So beschloß die II. Internationale Frauenkonferenz (98 Delegierte aus 17 Ländern) auf Initiative von Clara Zetkin am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages. Es wurde noch kein fixes Datum für die Begehung des Tages gewählt. Am 19. März 1911. fand dann der erste internationale Frauentag statt.
Er wurde in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA gefeiert.
Allein in Deutschland nahmen über eine Million Frauen - und einige Männer - an Veranstaltungen und Demonstrationen teil, um ihre Rechte einzufordern. Der Erfolg des ersten Frauentages 1911 übertraf alle Erwartungen. Der letzte Frauentag vor dem Ersten Weltkrieg, 1913 richtete sich klar gegen den heraufziehenden Krieg und für die internationale Solidarität. Erst 1921 wurde dann der 8. März als Frauentag festgelegt. Der Kampf um die Befreiung der Frau ist nicht vom Kampf der Arbeiterklasse zu trennen. Er ist Bestandteil des Klassenkampfs.
Der Kampf um die Befreiung der Frau ist gerade heute eng mit dem Kampf gegen den Krieg und die Ausbeutung der unterdrückten Völker verbunden. Dies war auch Clara Zetkin bewusst. Als die Imperialisten immer offenerer ihre Aggression gegen die Sowjetunion vorbereiteten, sagte sie in ihrer Rede zum 8. März 1932 „Für den Sozialismus, gegen Krieg und Intervention“: „...Die lauten Gespräche über den Frieden, die im Völkerbund geführt werden, sind darauf gerichtet, eure Wachsamkeit einzuschläfern. Es gibt nur eine Kraft, die fähig ist, die herannahende Katastrophe abzuwenden: der entschlossene, unerbittliche Kampf der Werktätigen gegen den Krieg. Diese Entschlossenheit müßt ihr mit besonderer Kraft am internationalen kommunistischen Frauenkampftag, am 8. März, zum Ausdruck bringen. Die Losungen dieses Tages müssen unüberhörbar in der ganzen Welt erklingen: Gegen die verbrecherischen Kriegsbrandstifter! Hände weg von der Sowjetunion! Hände weg vom Staat der proletarischen Diktatur, des sozialistischen Aufbaus! Stehen wir mit Herz und Hand für die Verteidigung dieses Staates ein!“ Heute gibt es keine Sowjetunion mehr, die im Sozialismus die wirkliche Gleichberechtigung der Frau gewährleistete, aber der Imperialismus ist heute genauso aggressiv, wie damals.
Heute sind nach wie vor 70% der ärmsten Menschen Frauen, sie werden zur Prostitution und unbezahlter Zwangsarbeit gezwungen, misshandelt und aufgrund von reaktionären patriarchalen Ordnungen ermordet. Frauen ist der Weg zur Bildung und Emanzipation immer noch in vielen Ländern verwehrt. Die Krise des Kapitals verschärft die Verelendung der Menschen und führt zur weiteren Ungleichbehandlung der Frau. Dies ist besonders bei Einkommensunterschieden, sowie beim Zugang zu akademischen Berufen erkennbar. Obwohl statistisch Mädchen bessere Abschlüsse absolvieren, studieren oder promovieren die wenigsten. Bei Migrantinnen ist dieses Problem umso verheerender. Der soziale Kahlschlag wird es den Frauen umso schwieriger machen, sich gesellschaftlich zu emanzipieren. Leider sehen das nicht alle Frauen so: Die luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Reding, sprach sich 2008 dafür aus, den Internationalen Frauentag abzuschaffen: „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben.“ Kein Wunder: Ist es doch die Agenda der imperialistischen Europäischen Union, den Sozialabbau überall in Europa voranzutreiben und die Illusion zu schüren, dass im Kapitalismus „jeder gleich ist“. Die werktätigen Frauen dürfen nicht auf diese Lügen hereinfallen. Nur im gemeinsamen Kampf der Arbeiterklasse für den Sozialismus wird die Frau die Ketten der Jahrhunderte brechen können, um frei zu sein!
-lm
| Roter Morgen 1/2009
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