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url: www.kpd-online.info/rmprint/1245 ROTER MORGEN online 11, 2010 Aus Betrieb und Gewerkschaft Tarifabschluss in der ChemieindustrieEnde März gingen die Tarifverhandlungen der Chemieindustrie für das gesamte Bundesgebiet zu Ende. Die Verhandlungen verliefen vollkommen kampflos und ohne jeden ernsthaften Widerstand der Gewerkschaft in Form von Streiks, das einzige was uns Gewerkschaftschef Hausmann zu bieten hatte war seine „Show“, die er veranstalte, um wenigstens den Schein zu wahren. Dass bei solchen Verhandlungen ein Ergebnis von 4,1 % mehr Lohn und einer Laufzeit von 15 Monaten am Ende steht, ist sehr überraschend. Dieses Ergebnis kann sich natürlich nicht mit den riesigen Profiten messen, die die Chemiekapitalisten Jahr für Jahr einstecken. E.on zum Beispiel übertraf schon im ersten Quartal 2010 diesbezüglich das “Vorkrisenniveau“. Trotzdem: Selbst wenn man die Nullrunde für die Beschäftigten aus dem Jahr 2010 mit in Betracht zieht, lag dennoch die Lohnsteigerung, wenn man beide Jahre gemeinsam betrachtet, deutlich über der Inflationsrate, genau wie in den Jahren 2008 und 2009. Also eine kampflose Lohnsteigerung? Also führt der Kapitalismus doch zum Wohlstand für alle, nur eben für die meisten von uns weniger schnell? Nein! Die Zahl der Leiharbeiter in der Chemieindustrie ist von einem Niveau von etwa 6.000 Beschäftigten im Jahr 2006 auf mehr als 12.500 im Jahr 2010 angewachsen – mehr als eine Verdopplung (Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung). Leiharbeiter werden bekanntlich nicht nach den gleichen Tarifverträgen wie Festangestellte entlohnt. Dieses Wachstum des Leiharbeiteranteils hat für die Unternehmer auch genau dieses Ziel: Den Gesamtlohn der Beschäftigten zu senken, und so noch besser dazu stehen. Die gleichzeitige relativ hohe Lohnerhöhung der Festangestellten wird damit mehr als gegenfinanziert. Diese Lohnerhöhung ist die andere Seite der gleichen Medaillie und dient dazu, uns im Betrieb in Tarifarbeiter und Leiharbeiter zu spalten. Dass bis jetzt die Leiharbeiter noch einen vergleichsweise kleinen Anteil der Belegschaft in der Chemieindustrie ausmacht, soll sich nach dem Willen der Kapitalisten auch sehr bald ändern. Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung äußern nämlich die Personalabteilungen der großen Unternehmen immer öfter: „Künftig wollen wir in der Belegschaft ein Drittel Leiharbeitnehmer haben.“[1] Unsere Aufgabe als Kommunisten vor diesem Hintergrund ist klar: Wir müssen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen gegen diese Spaltung kämpfen!
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