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ROTER MORGEN online 10, 2009
Kultur
Michael Moore und seine ArbeitsweiseWer kennt Ihn nicht, den kapitalismuskritischen Filmemacher Michael Moore? Die Menschen, welche sich mit Kapitalismuskritik auseinandersetzen, werden ihn früher oder später kennenlernen. Einige Kapitalismuskritiker in der Linkspartei loben Ihn hoch. Ein Grund, sich mit Herrn Moore näher zu beschäftigen.
Michael Moore wuchs in Flint, Michigan in den USA auf. Diese Stadt war zu Zeiten von Moores Jugend geprägt von dem Konzern General Motors, welcher dort mehr als 60000 Beschäftigte hatte. Viele seiner Familienangehörige arbeiteten für GM.
Während seiner Schulzeit bereitete sich Michael Moore auf das Priesteramt vor. Machte dann aber nach der Schule eine Schauspielausbildung und versuchte sich erst als Journalist und Herausgeber der Zeitschrift Flint Voice, welche zwischenzeitlich The Michigan Voice hieß. Anschließend arbeitete er dann noch für kurze Zeit als Chefredakteur einer Zeitschrift aus San Francisco. Nach Streitigkeiten mit Mitarbeitern und Herausgeber ging er zurück nach Flint.
In den Jahren 1988 und 1989, in denen GM viele seiner Mitarbeiter in Flint auf die Straße setzte, gelang Moore der Durchbruch mit dem Dokumentarfilm Roger & Me. In diesem Streifen kritisiert er auf satirische Weise die „Auswüchse“ des Kapitalismus am Beispiel seiner Heimatstadt Flint, in welcher die Bewohner und Bewohnerinnen massiv unter den Massenentlassungen von GM zu leiden habe. Laut Aussage des Films Roger & Me wurden ca. 40000 Mitarbeiter innerhalb von 2 Wochen in Flint von GM entlassen. Dreh- und Angelpunkt des Films ist, dass Michael Moore versucht den Vorstandsvorsitzenden von GM, welcher mit Vornahmen Roger heißt, wegen den Ereignissen und den Auswirkungen zur Rede zu stellen. Das Ende ist, dass sich laut Moores Darstellung der Vorstandsvorsitzende der Verantwortung nicht stellt und es zu keinem Gespräch zwischen ihm und Roger kommt. Und hier kommen die ersten Moorekritiker ins Spiel. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, dass es zu einem Gespräch zwischen Moore und dem Vorstandsvorsitzenden von GM gekommen ist und somit Moore sein Publikum belügt. Weiter ist noch zu erwähnen, dass mehrere seiner ehemaligen Mitarbeiter ihm einen rabiaten Umgang bescheinigen und Ihm vorwerfen, dass er in seinen Filmen nur Personen zu Wort kommen lässt, die seiner Meinung sind oder seiner Darstellung dienlich sind. Die wohl bekanntesten Kritiker sind Debbie Melnyk und Rick Caine mit Ihrem Film Manufacturing Dissent.
Die weitaus erfolgreicheren Filme Bowling for Columbine, für welchen Moore 2003 den Oscar erhielt, und Fahrenheit 9/11 bleiben auch nicht von Kritik verschont.
Der Aufhänger für Bowling for Columbine ist der Amoklauf an der Columbine High School 1999. Er zeigt an Fallbeispielen auf satirische Weise die Waffenvernarrtheit einiger seiner Landsleute. Er interviewt den damaligen Vorsitzenden der National Rifle Association und lässt Opfer des Amoklaufs zu Wort kommen. Zudem versucht er mehrfach die Frage zu beantworten, wie man der starken Gewalt durch Waffen in den USA begegnen soll und macht Vergleiche mit anderen Staaten. Weiter befragt er noch Personen wie Marilyn Manson, welcher laut Moores Darstellung in den Medien der USA verantwortlich für diese „Ausfallerscheinungen“ von Jugendlichen gemacht wird, zum Thema Waffengewalt und vernachlässigte Jugendliche.
An diesem Film sind die Hauptkritikpunkte, dass einige Szenen nachgestellt sind und Moore seine Zuschauer nicht darüber in Kenntnis setzt. Unter anderem geht es um die Szene, in der es Moore gelingt, Munition in einem kanadischen Wal-Mart zu kaufen, trotz der restriktiveren Waffengesetze in Kanada. Weiter erhält Moore ein Gewehr beim Eröffnen eines Bankkontos. Wobei die Bank die Eröffnung eines Kontos mit der Ausgabe von Waffen bewirbt. Hier wird ihm ebenfalls vorgeworfen, die Szene nachgestellt zu haben und seine Zuschauer nicht darüber in Kenntnis zu setzen.
Nun zu einem weiteren bekanntem Film: Bei Fahrenheit 9/11 verschärft sich Moores Kritik an der Gesellschaft deutlich. In diesem Film fallen von Michael Moore sinngemäß Sätze wie, dass die Kriege der USA nur dazu dienen das System aufrecht zu erhalten. Ein System, welches die Reichen reicher und die Armen ärmer macht. Es geht aber hauptsächlich um die Regierung von G.W. Bush, welche er scharf attackiert. Eingeleitet wird der Film mit der Darstellung der Machtübernahme von G.W. Bush, welche stark überschattet war von den Ungereimtheiten, welche bei der Präsidentschaftswahl 2001 aufgetreten waren. Weiter beleuchtet er die Verflechtung zwischen der Familie von G.W. Bush und der Bin Laden Familie im Zusammenhang mit den Verfehlungen der Regierung mit den Terrorakten vom 11. September. Zu alledem kommen noch beispielhafte Einspielungen zu anderen Themen, welche mit der damaligen Regierung und ihrer Gesetzgebung und ihrem Handeln in Verbindung stehen. Unter anderem zeigt er, dass eine kleine, laut Moore harmlose Friedensbewegungsgruppe unnötigerweise von der US- amerikanischen Polizei unterwandert wird. Weiter noch wie ein verrenteter Elektriker von seinen Freunden aus dem Fitnessstudio denunziert wird, nur weil er Bush kritisierte. Zudem kommen immer wieder Einspielungen über G.W. Bush, welche seine Widersprüchlichkeit darstellen.
Hier knüpft die Kritik von Debbie Melnyk und Rick Caine an diesem Film an. Unter anderem sollen die Szenen, in denen Bush und Mitglieder seiner Regierung gezeigt werden, aus dem Zusammenhang gerissen sein. Zudem soll Michael Moore in diesem Film Saddam Hussein als friedliebenden und harmlosen Menschen darstellen und den Irak unter Saddam Hussein verharmlosen.
Über Michael Moore kann schon vorab gesagt werden, dass er zwar kritisch ist und richtige Fehler im System beispielhaft aufzeigt, aber er ist nicht analytisch oder wissenschaftlich. Einige Punkte seiner Kritiker sind zudem berechtigt. Zum einen, dass er seinem Publikum vorenthält, dass es zwischen ihm und Roger Smith ein Gespräch gegeben hat. Ein solches Verhalten muss kritisiert werden und ist nicht in Ordnung. Die Berichte der ehemaligen Mitarbeiter, dass Moore sehr rabiat sei und seine Mitmenschen wie Dreck behandele, sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, da diese Anschuldigung auch aus reinen Rachegelüsten motiviert sein könnten. Zu den Vorwürfen, der aus dem Zusammenhang gerissenen Darstellung von G.W. Bush ist zusagen, dass nach dem Aufkommen dieser Kritik dem Film Fahrenheit 9/11 Bonusmaterial beigefügt wurde, welches einige der Szenen vollständig zeigt. Moores Filme sind nicht einseitig aber auch nicht ausgeglichen, denn wenn er seine Gegner zu Wort kommen lässt, wie z.B. den Pressesprecher von GM in Roger & Me, werden diese nicht gerade von der besten Seite gezeigt. Zudem kann seinen Kritiker auch Einseitigkeit vorgeworfen werden. Zu den Szenen, welche aus dem Irak gezeigt werden, ist anzumerken, dass sie einfach das Straßenbild der Hauptstadt zeigen, irakische Kinder und dass die Szenen unkommentiert sind. Das Nachstellen von Sachverhalten ist zwar nicht unzulässig, aber wenn Moore die Szenen wie z.B. in Bowling for Columbine nicht kenntlich macht, kann das als unsaubere Arbeitsweise gewertet werden.
Alles in allem sind seine Filme sehenswert, da die Szenen teilweise lustig und entblößend sind, aber sie sollten mit dem nötigen Abstand geschaut werden, denn Moore arbeitet nicht sauber. Zudem muss man ihn für seine Art der Kritik am System kritisieren, die zum Reformismus und nicht zur Revolution führt.
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