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Kommunismus
Die Klassengesellschaft, die mit dem Profitsystem untrennbar verbunden
ist, ist zu einem immer unerträglicheren Hemmschuh der Entwicklung
der Produktivkräfte und der Gesellschaft geworden. Sie muß
durch den Kommunismus ersetzt werden, durch eine Gesellschaft ohne
Klassenunterschiede, in der niemand privates Eigentum an den Produktionsmitteln
hat, in der die vereinten Produzenten über die gesamte Produktion
kollektiv bestimmen und in der die Produkte den vereinten Produzenten
gehören. Im Kommunismus werden die Produzenten die Produktion
bewußt planen und leiten, ohne Ware-Geld-Beziehungen und ohne
Staat. Niemand wird mehr sein ganzes Leben lang auf einen eng begrenzten
Bereich von Tätigkeiten festgelegt und beschränkt sein,
über dessen Horizont er kaum hinwegsehen kann. Als gesellschaftlich
entwickelte und bewußte Individuen werden die Menschen alle
Teilfunktionen mit Blick auf das Ganze ausüben, und sie werden
die Möglichkeit haben, abwechselnd verschiedene Teilfunktionen
zu verrichten. Damit wird auch der Unterschied von nur leitenden
und nur ausführenden Funktionen verschwunden sein. Die meisten
Entscheidungen werden von den jeweils Betroffenen gefällt werden.
Die vergleichsweise wenigen, aber wichtigen zentralen Entscheidungen,
die verbleiben, werden von Gremien getroffen, die sich nicht aus
Menschen zusammensetzen, welche bis an ihr Lebensende nur diese
Funktionen innehaben. Es wird keine besondere gesellschaftliche
Schicht sein, aus der sich diese Gremien rekrutieren. Jeder kann
realen Einfluß auf die zentralen Entscheidungen und auf die
jeweilige und wechselnde Zusammensetzung der zentralen Gremien nehmen.
Mit der Beseitigung der alten Form der Arbeitsteilung wird die Teilung
der Gesellschaft in oben und unten überwunden sein.
An die Stelle der Konkurrenz und des Kampfes aller gegen alle wird
das solidarische Zusammenwirken der Menschen in der Gesellschaft
treten. Dadurch wird die Individualität des Einzelnen keineswegs
unterdrückt, sondern im Gegenteil erst voll entfaltet werden.
Während die Menschen und die Beziehungen der Menschen untereinander
im Kapitalismus immer mehr von “Sachzwängen” beherrscht
werden, letztlich also von Verhältnissen, die die Menschen
selbst geschaffen haben, werden die vereinten Produzenten im Kommunismus
kollektiv die Produktion beherrschen und dadurch auch in der Lage
sein, die gesellschaftlichen Beziehungen bewußt einzurichten
und zu gestalten.
All das geht mit den heutigen Menschen nicht? Ja und nein. Viele
Menschen blicken schon heute über den Tellerrand ihrer engen
individuellen Interessen hinaus, wenden sich gegen diese und jene
gesellschaftlichen Mißstände. Doch sie erfahren ihre
Machtlosigkeit, erreichen nur wenig und resignieren häufig.
Oft hört man: “Die da oben machen ja doch, was sie wollen.”
Und so ist es ja auch. Die bestehenden Zustände erziehen dazu,
sich um gesellschaftliche Fragen nicht zu kümmern, weil “man
ja doch nichts ändern kann”. Organisiert einen Übergangsstaat,
in dem die “kleinen Leute” mehr und mehr Einfluß
auf die Vorgänge in der Gesellschaft ausüben, und das
gesellschaftliche Bewußtsein, das heute verkümmern muß,
wird zu einer gewaltigen Schubkraft des Fortschritts!
Der Ellenbogen-Mensch ist ein Produkt der Ellenbogen-Gesellschaft,
die alle Formen des Egoismus, der Rücksichtslosigkeit, der
Geschäftemacherei fördert. Aber viele Menschen opfern
selbst in dieser Ellenbogen-Gesellschaft, ohne nach ihrem persönlichen
Nutzen zu fragen, Zeit, Geld, Kraft, Ideen, Gesundheit, ja sogar
manchmal ihr Leben für soziale Zwecke, für die Gesellschaft,
für andere.
Doch unter den Bedingungen des Kapitalismus, des Kampfes aller
gegen alle, können sich die Möglichkeiten des Menschen
zu solidarischem, kollektivem, verantwortungsbewußtem, gesellschaftlichem
Verhalten nur sehr schwer entfalten. Der Kapitalismus lenkt die
kollektiven gesellschaftlichen Bestrebungen der Menschen auf karitative
Felder, wo die Wunden, die der Kapitalismus der Gesellschaft schlägt,
etwas gelindert werden sollen. Im Kommunismus entwickeln sich Menschen,
deren Blick nicht auf Einzelaspekte reduziert ist, sondern die für
das Ganze denken, die an der gesellschaftlichen Entwicklung aktiv
teilhaben, die für ihre Interessen eintreten und sich selbst
bestmöglich als Individuum entfalten, um so zu gleich auch
der Gesellschaft das Bestmögliche zu geben.
Wälzt die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Produktionsverhältnisse
um, und im Laufe dieses Prozesses wächst ein anderer Mensch
heran! Aber natürlich nicht in einem Tag.
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