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Einleitung
Die pseudo-sozialistischen Regimes in der Sowjetunion und in Osteuropa
sind zusammengebrochen.
Zwar wurde der Sozialismus dort schon in den 50er Jahren beseitigt
und durch die Herrschaft einer neuen Ausbeuterklasse ersetzt. Dennoch
schiebt die bürgerliche Propaganda all die negativen Erscheinungen
in diesen Ländern dem Sozialismus in die Schuhe, stellt sie
den Zusammenbruch dieser Regimes als endgültigen Bankrott des
Sozialismus und Kommunismus dar. Diese Entwicklung führte die
Arbeiterbewegung auf einen vorübergehenden Tiefpunkt.
Gleichzeitig aber zeigt der vom Kapital gefeierte “Triumph
der Marktwirtschaft” die unlösbaren Probleme und tiefen
Widersprüche des Kapitalismus, den Keim seines unvermeidlichen
Untergangs. Im Osten Deutschlands zerstörte der Kapitalismus
die Produktivkräfte eines entwickelten Industrielandes, verwandelte
es in ein deutsches Sizilien, entzog Millionen Menschen die Existenzgrundlage.
Auch im Westen war die Wiedervereinigung ein drastischer Einschnitt
für die Lage der arbeitenden Menschen.
Mit “arbeitenden Menschen”
sind in diesem Programm nicht nur diejenigen gemeint, die
im Produktionsprozeß stehen, sondern auch Arbeitslose,
Rentner, Schüler und Studenten, wehrpflichtige Soldaten
und Hausfrauen, sofern sie zur Arbeiterklasse gehören
oder zu Zwischenschichten zählen, die von eigener Arbeit
leben und niemanden ausbeuten. (Zur Arbeiterklasse gehört
auch ein großer Teil der Angestellten.) |
Unter wechselnden Vorwänden müssen sie für die riesigen
Profite der großen Monopole und für die neue Weltmachtstellung
Deutschlands zahlen. Nach Auffassung der KPD werden sich die Arbeits-
und Lebensbedingungen der breiten Mehrheit der Bevölkerung
in ganz Deutschland weiter rapide verschlechtern, wenn die arbeitenden
Menschen nicht entschlossen gegen die Angriffe des Kapitals kämpfen.
Die Verhältnisse zwingen sie zum kämpfen: für die
Verteidigung ihrer elementaren Lebensinteressen und für eine
grundlegende Verbesserung ihrer Lage. Die KPD ist der Überzeugung,
daß dem gescheiterten ersten weltweiten Ansturm auf den Kapitalismus
ein zweiter folgen wird.
Deutschland ist ein reiches Land mit hochentwickelten Produktivkräften
und ständigem technischem Fortschritt. Doch zugleich werden
moderne Fabriken stillgelegt, sind Millionen arbeitslos, werden
massenhaft unverkäufliche Waren vernichtet. Mit all ihren Reichtümern
ist diese Gesellschaft nicht in der Lage, Luft, Wasser, Boden, die
gesamte Umwelt sauber und lebenswert zu erhalten. Lebensbedrohende
Erscheinungen wie die Vergiftung des Wassers und die Schädigung
der Atmosphäre nehmen dramatische Ausmaße an. Ebensowenig
ist diese Gesellschaft in der Lage, Armut, Wohnungsnot usw. zu beseitigen.
Im Gegenteil wird die materielle Lage von immer mehr Menschen schlechter.
Auch viele derjenigen, die wirtschaftlich noch in einigermaßen
zufriedenstellenden Zuständen leben, sind unzufrieden. Sie
können ihre schöpferischen Fähigkeiten weder bei
noch außerhalb der Arbeit entfalten, leiden unter ständigem
Streß, Vereinsamung und Konkurrenz, empfinden ihr Leben als
sinnlos und leer. Diese und andere schwerwiegende Mißstände
dieser Gesellschaft haben letztlich eine Ursache: den Kapitalismus.
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Kapitalismus 
Kapitalismus
Der Kapitalismus, der auf der Grundlage der Warenproduktion entstanden
ist, stellt ihre höchste Stufe dar. Er hat auch die Arbeitskraft
zur Ware gemacht. Die Arbeiterklasse schafft den größten
Teil des Reichtums der Gesellschaft, doch die Arbeiter sowie die
große Mehrheit der Angestellten sind aller Produktionsmittel
beraubt und können nur existieren, indem sie ihre Arbeitskraft
an kapitalistische Unternehmen verkaufen. Das Kapital verfügt
über alle wesentlichen Produktionsmittel der Gesellschaft.
Es eignet sich den von den arbeitenden Menschen geschaffenen Reichtum
an und verfügt darüber. Im Kapitalismus besteht das Ziel
der Produktion nicht darin, die gesellschaftlichen Bedürfnisse
zu befriedigen, allen Menschen Arbeit, Auskommen und Frieden zu
sichern und ihre Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.
Einziger Zweck der kapitalistischen Produktion ist der Profit.
Das Profitstreben bringt einerseits das Interesse des Kapitals an
möglichst niedrigen Löhnen und Gehältern hervor und
andererseits das Interesse an tändiger Ausweitung der Produktion.
Niedrige Löhne und Gehälter führen dazu, daß
die Produzenten viele ihrer Produkte nicht kaufen können, obwohl
die Produkte wie auch die Bedürfnisse danach vorhanden sind.
Es kommt zu Überproduktionskrisen, die mit Massenentlassungen,
Bankrotten, Betriebsstillegungen usw. enden. Die Arbeitslosigkeit
ist eine widersinnige, aber notwendige Folge des Profitsystems:
Ob in einem bestimmten Zweig der Produktion Arbeitsplätze geschaffen
werden, entscheidet sich nicht danach, ob ein Bedürfnis nach
den entsprechenden Produkten besteht, sondern allein danach, ob
die jeweilige Produktion genügend Profite verspricht.
Die Orientierung am Profit ist auch die Ursache so widersinniger
Erscheinungen wie steigender Lebensmittelpreise bei gleichzeitiger
massenhafter Vernichtung von Agrarerzeugnissen und sinkenden Einkommen
der Bauern. Die Vernichtung wird natürlich von dem gleichen
Steuerzahler finanziert, der als Konsument die gestiegenen Preise
zu bezahlen hat. Das Profitsystem verhindert eine aufeinander abgestimmte
Entwicklung der einzelnen Wirtschaftszweige. Es führt zu tiefgreifenden
Strukturkrisen bestimmter Branchen, wodurch ganze Regionen wirtschaftlich
ruiniert werden können. Es führt zur Stillegung hochmoderner
Produktionsanlagen: Wo eben noch die Konkurrenz die Errichtung von
Betrieben erzwang, um mithalten zu können, zwingt morgen dieselbe
Konkurrenz zum Schließen der mittlerweile unrentabel gewordenen,
d.h. nicht mehr genug Profit bringenden, Anlagen. Das Profitsystem
führt dazu, daß Investitionen in den Umweltschutz in
der Regel nicht lohnend sind und so lange irgend möglich hinausgezögert
werden. Auch schwerwiegende Gesundheitsschädigungen und Todesfälle
sind für das Kapital keineswegs ein Grund, etwas zu unternehmen.
Umweltschutz ist für das Kapital wirtschaftlich erst dann interessant,
wenn sich daraus Gewinn machen läßt. Andernfalls geschieht
nur dann etwas, wenn drohende Katastrophen oder der heftige Widerstand
von Betroffenen zu politischen Gefahren für das ganze System
führen.
Die arbeitenden Menschen leiden nicht nur unter materieller, sondern
in wachsendem Maße auch unter seelischer Not, da das Profitsystem
jede Lebensäußerung danach bemißt, ob sie Profit
bringen könnte oder nicht. So wird auch der kulturelle Wert
von Produkten zunehmend am Geschäftserfolg gemessen. Rundfunk
und Fernsehen werden mehr und mehr von der Werbung und dem Wettlauf
um Einschaltquoten beherrscht. Eine Programmvielfalt gaukelt einem
kulturellen Reichtum vor, der die tatsächliche Verflachung
und Abstumpfung verdeckt. Da gibt es süßlichsten Kitsch
neben menschenverachtender Ausbeutung sexueller Gefühle, brutale
Gewalt - aber ebenso etwas für den “kulturell Anspruchsvollen”
oder Sendungen, die negative Erscheinungen dieser Gesellschaft hart,
aber folgenlos anprangern. Die Grundtendenz besteht im passiven
Konsum, in der Kommerzialisierung der Freizeitbedürfnisse.
Scheinaktivität besteht in der Auswahl von Hits, Hörer-
und Seherumfragen usw. Die Erziehung zum passiven Konsum entspricht
der Unterordnung des Menschen unter die Maschine in der Produktion:
Auch in seiner Freizeit wird das Individuum der Maschine Fernseher
untergeordnet.
Der Sport wird ebenfalls der Herrschaft des Geldes unterworfen.
Sportler sind lebende Litfaßsäulen, Sponsoren verlangen
wachsende Leistungen für ihr Geld. Sportveranstaltungen werden
zu Shows. Der Kampf um Erhalt oder Steigerung des Marktwertes zwingt
Sportler zum Betrug und zur Zerstörung ihrer Gesundheit durch
Doping. Um einzelne Spitzensportler wird ein Personenkult entwickelt,
um sie besser vermarkten zu können.
Das Erscheinen eines Buches hängt in erster Linie von der
zu erwartenden Auflage ab. Filme, die nur mit Millionenaufwand produziert
werden können, verdanken ihr Entstehen reichen Kapitalgebern,
die ein entsprechendes Klingeln der Kassen erwarten. Welche Musik
produziert, gesendet, gespielt und gehört wird, wird weitgehend
durch Geschäftsinteressen großer Unterhaltungskonzerne
bestimmt.
Auch im politischen und religiösen Leben werden Anschauungen
und Gefühle zu einem profitträchtigen Geschäft gemacht.
Von der Gesellschaft Enttäuschte werden von Gurus beglückt
oder finden in ominösen Psycho-Selbsterfahrungskursen ihr zweites
oder drittes vorhergegangenes Leben - natürlich nur gegen Geld.
Selbst Liebe und Sexualität werden für den Profit ausgeschlachtet.
Pornographie und die verächtliche Einstellung gegenüber
Frauen sind dabei nur die Spitze des Eisberges. In heuchlerischer
Weise wurde die Sexualität “befreit”, um sie sogleich
dem Leistungsprinzip zu unterwerfen. Die dabei zwangsläufig
entstehende sexuelle Not fördert den Umsatz an Pornographie
und Hilfsmitteln. Daß dabei Vergewaltigung, sexuelle Erniedrigung,
Prostitution usw. gefördert werden, stört die Geschäftemacher
nicht. Und die moralische Empörung über dieses durch die
Herrschaft des Geldes geschaffene Elend nutzt das Kapital für
reaktionäre, spießige politische Stimmungen. So zerstört
das Kapital jede Kultur und Moral bzw. macht sie zu Krüppeln
an der Leine des Geldes. Zwischenmenschliche Beziehungen und kulturelle
Werte, die nicht am Profitsystem, sondern am Menschen orientiert
sind, können nur im Kampf gegen die Einwirkungen des Profitsystems
bewahrt und entwickelt werden.
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