Imperialismus
Unter den Bedingungen des monopolistischen Kapitalismus, des Imperialismus,
haben sich die unlösbaren Widersprüche des kapitalistischen
Systems weiter verschärft. Eine kleine Gruppe von Industriekonzernen,
Banken und Versicherungsgesellschaften, darunter staatliche Monopolgesellschaften,
beherrschen das ganze Land. Die Monopole haben sich die kleinen
und mittleren Kapitalisten untergeordnet. Die Großbanken herrschen
in der Regel über Industriemonopole; auch Industriemonopole
haben riesige Mengen von Geld, Aktien usw. aufgehäuft und damit
Bankfunktionen übernommen. Die Verschmelzung von Bank- und
Industriemonopolen hat zur Entstehung des Finanzkapitals geführt.
An seiner Spitze steht eine Schicht von höchstens einigen hundert
Spitzenmanagern und Kapitalseignern der Großbanken, darunter
der staatlichen Banken, sowie der Industriemonopole. Sie bestimmen
oder kontrollieren nahezu jede Aktivität der kapitalistischen
Wirtschaft direkt oder indirekt. Von ihren Entscheidungen hängt
das Wohl und Wehe von Millionen Menschen weitaus mehr ab als von
irgendwelchen Politikern. Mit dem Wachstum der Industrie- und Bankmonopole
verschärft sich zugleich deren Kampf untereinander. Mit allen
Mitteln, legalen und illegalen, werden Märkte erobert, Konkurrenten
ruiniert oder einverleibt. Immer mehr Reichtum wird in immer weniger
Händen konzentriert. Gleichzeitig wird den arbeitenden Menschen
ständig eingeredet, daß sie auf “ihren” Kapitalisten
Rücksicht in seinem Kampf gegen seine Konkurrenten nehmen sollen,
daß sie Verzicht üben sollen. Sie müssen in ständiger
Existenzunsicherheit leben und mit Entlassung rechnen. Sie sollen
hinnehmen, daß sich durch Rationalisierung ihre Arbeitsbedingungen
verschlechtern, ihr Streß und körperlicher sowie psychischer
Verschleiß sich vergrößern. Obwohl durch die schärfer
werdende Konkurrenz unter den Monopolgruppen die gesamte Produktion
umgewälzt wird und stets neue Techniken entwickelt werden,
werden die Erleichterungen für die arbeitenden Menschen durch
neu auftretende Belastungen weit übertroffen.
Die Konkurrenz der Monopole erstreckt sich über die ganze
Welt. Kein Fleckchen Erde, kein Markt, um den sie nicht kämpfen.
Der Warenexport hat ungeheure Dimensionen erreicht. Die Rohstoffe
industriell weniger entwickelter Länder werden geplündert.
Der Kapitalexport in Form von Krediten, “Entwicklungshilfe”,
Kauf ausländischer Beteiligungen usw. ist zur Hauptform der
Eroberung anderer Länder und Märkte geworden. Einzelne
Monopolgruppen haben mehr Macht und Einfluß als zahlreiche
“unabhängige” Staaten. Auf der Jagd nach höherem
Profit ist der nationalstaatliche Rahmen der kapitalistschen Wirtschaft
unwiderruflich gesprengt worden. Auch der Arbeitsmarkt wurde vom
Kapital internationalisiert. Aus aller Welt holen sie Arbeitskräfte,
in allen Ländern bauen oder kaufen sie Fabriken, um so die
Ware Arbeitskraft möglichst billig einzukaufen und maximal
auszubeuten. Das Kapital ist nicht national, sondern allein am Profit
orientiert. Aber es nutzt den nationalen Rahmen, um seine Interessen
durchzusetzen. Zum einen dient den Kapitalisten ihr Nationalstaat,
um Konkurrenten zu schädigen, vom Binnenmarkt fernzuhalten
und durch Subventionen und Bürgschaften bei der Eroberung anderer
Märkte zu helfen. Zum anderen sollen die Arbeiter verschiedener
Nationalität gegeneinander gehetzt werden, um die Löhne
und Arbeitsbedingungen aller Arbeiter hinabdrücken zu können.
Gleichzeitig stärken die Imperialisten supranationale Organisationen
wie die Vereinten Nationen, den Internationalen Währungsfonds
und die EG, auf die nationale Hoheitsrechte von Nationalstaaten
übertragen werden. Die imperialistischen Großmächte
verfolgen damit das Ziel, im Interesse des Maximalprofits über
schwächere Staaten und Monopole zu herrschen, demokratische
Rechte im eigenen Land sowie in den abhängigen Ländern
zu beseitigen. Mit diesen Zielrichtungen betreibt der deutsche Imperialismus
den Ausbau der EG sowie die Bildung weiterer europäischer supranationaler
Organisationen, die neben wirtschaftlichen auch politische und militärische
Kompetenzen erhalten sollen. Überall, wo das Kapital neue Märkte
erobern will, stößt es in der Regel auf Konkurrenten,
die entweder diesen Markt bereits beherrschen oder ebenfalls erobern
wollen. Die Welt ist unter den imperialistischen Mächten weitgehend
aufgeteilt, und eine Neuaufteilung ist nur zu Lasten eines anderen
möglich.
Da sich die imperialistischen Mächte ungleichmäßig
entwickeln, ändert sich beständig das Kräfteverhältnis
zwischen ihnen. Ab einem gewissen Grad der Zuspitzung der Widersprüche
zwischen den imperialistischen Mächten kann eine Neuaufteilung
nicht mehr “friedlich”, sondern nur noch gewaltsam stattfinden.
Um nicht selbst als offen kriegerisch aufzutreten, schüren
und nutzen die imperialistischen Mächte häufig Kriege
abhängiger Staaten für ihre eigenen Zwecke. Es besteht
jedoch stets die Gefahr, daß die imperialistischen Mächte
auch direkt zusammenstoßen. Kriege sind unter den Bedingungen
des Imperialismus unvermeidlich.
Die Führungsrolle der USA in der Welt wird von ihren imperialistischen
Konkurrenten in Frage gestellt. Die Verlierer des 2. Weltkriegs,
Deutschland und Japan, sind wieder Großmächte, die beim
Kampf um die Weltherrschaft mitspielen. Unter der verlogenen Losung
der Einheit Europas strebt der deutsche Imperialismus, bereits jetzt
die führende Macht in der EG, die Herrschaft über Europa
an. Das würde ihn im Kampf mit den USA und Japan um die Weltherrschaft
enorm stärken. Zugleich würden weite Gebiete auch Westeuropas
einem ähnlichen industriellen Kahlschlag ausgesetzt wie der
Osten Deutschlands nach der Wiedervereinigung.
Nach dem 2. Weltkrieg war es in den Kernländern des Imperialismus
zu einer gewissen Stabilisierung des kapitalistischen Systems, verbunden
mit relativ hohen Wachstumsraten, gekommen. Mitte bis Ende der siebziger
Jahre wurde diese Entwicklungsphase jedoch durch eine Tendenz der
Sättigung und Schrumpfung der Märkte in globalem Maßstab,
verbunden mit niedrigeren Wachstumsraten oder sogar absolutem Rückgang
der Industrieproduktion, abgelöst. Die entscheidende Ursache
dafür besteht darin, daß die Industrie mit ihrer erheblich
gewachsenen Produktivität einerseits immer mehr Arbeitskräfte
unter kapitalistischen Bedingungen überflüssig macht,
andererseits aber immer größere Warenmengen erzeugt.
Produktion und die Möglichkeit, die Produkte zu verkaufen,
stehen im Weltmaßstab in immer größerem Widerspruch
zueinander. Die Eingliederung der industriell wenig entwickelten
Länder in das kapitalistische Weltsystem konnte das Schrumpfen
der Märkte nur vorübergehend aufhalten. Die Produktion
dieser Länder kann mit dem Produktivitätsniveau der führenden
Industrieländer nicht mithalten, d.h. sie ist im kapitalistischen
Sinne nicht profitabel. Durch die Eingliederung in das kapitalistische
Weltsystem werden Industrie und Landwirtschaft in diesen Ländern
folglich ruiniert bzw. in das enge Korsett der Bedürfnisse
des internationalen Kapitals gepreßt. Mangels Kaufkraft gehen
diese Länder den führenden Monopolen nach und nach als
Absatzmärkte verloren. Durch Kredite wurde dieser Tendenz entgegengewirkt.
Damit wurden diese Länder einerseits immer abhängiger
gemacht, andererseits wurde ein gewisses Florieren der Wirtschaft
in den imperialistischen Kernländern ermöglicht. Doch
wenn die Verschuldung ein gewisses Maß überschritten
hat, ist es für die Monopole nicht mehr profitabel, ständig
und in wachsendem Maße neue Kredite zu gewähren. Damit
nimmt zum einen das Elend in den industriell wenig entwickelten
Ländern Ausmaße an, die für unsere Verhältnisse
kaum vorstellbar sind. Die Menschen hungern und verhungern, um Zins-
und Tilgungszahlungen für die Monopole der imperialistischen
Länder aufzubringen. Zum anderen verschärfen sich das
Marktproblem der Monopole in den imperialistischen Kernländern
und der Konkurrenzkampf zwischen den imperialistischen Großmächten.
Schulden und Kredite insbesondere der Staaten bzw. staatlichen
Körperschaften haben auch in den entwickelten imperialistischen
Ländern enorme Ausmaße angenommen. Ist dies einerseits
ein Mittel der Monopole, sich die staatlichen Körperschaften
ökonomisch unterzuordnen, so ist andererseits ab einem bestimmten
Punkt eine weitere Verschuldung vom Standpunkt des Profits nicht
mehr zweckmäßig. Das relative Florieren der Wirtschaft
ist also auch in dieser Hinsicht durch maßloses Aufblähen
der Kredite sozusagen künstlich gewährleistet worden.
Das offene Aufbrechen der Krise ist künstlich hinausgeschoben
worden, doch bricht sie dadurch nur um so heftiger und krasser aus,
wenn derartige Mittel nicht mehr wirken.
Das im Rahmen der kapitalistischen Ordnung unlösbare Problem
der Märkte äußert sich auch darin, daß immer
mehr Kapital zur Spekulation statt zur Produktion verwendet wird.
Spekulation mit Aktien, Devisen, Wertpapieren, Immobilien, ja sogar
ganzen Betrieben und Konzernen wird zu einer immer bedeutenderen
Form der Verwertung des Kapitals. So kauft man ganze Betriebe und
Konzerne mit der Absicht auf, sie auszuschlachten und kurze Zeit
später mit Gewinn wieder zu verkaufen. All das zeigt die tiefe
Fäulnis eines Systems, in dem der Profit Dreh- und Angelpunkt
jeglicher wirtschaftlichen Tätigkeit ist.
Das Voranschreiten der Krise des kapitalistischen Weltsystems wird
auch in Deutschland die elementaren Lebensgrundlagen der arbeitenden
Menschen untergraben, wird zu wachsenden Zersetzungserscheinungen
in allen gesellschaftlichen Bereichen führen. Die kapitalistische
Normalität, die - sei sie auch noch so schlecht - ein gewisses
geregeltes Leben garantiert, wird immer mehr schwinden. Massenelend,
Umweltkatastrophen, Rechtlosigkeit und kriminelle Gewalt, insbesondere
organisiertes Verbrechen, Terror gegen Minderheiten, bürgerkriegsähnliche
Zustände sowie zunehmende Funktionsunfähigkeit gesellschaftlicher
Teilbereiche wie z.B. des Verkehrs, der Schule, der medizinischen
Versorgung werden zunehmend an ihre Stelle treten.
Indem der Kapitalismus immer weniger ein auch für heutige
Verhältnisse halbwegs normales Leben garantieren kann, bringt
er selbst die Kräfte hervor, die ihn beseitigen werden. Die
Arbeiterinnen und Arbeiter, der Großteil der Angestellten,
die Bäuerinnen und Bauern, die Kleingewerbetreibenden und überhaupt
die breite Mehrheit der Bevölkerung werden nach und nach in
eine Lage versetzt, in der sie sich mit diesem System nicht mehr
abfinden können. Besonders die unteren Schichten der Arbeiterklasse,
deren Arbeits- und Lebensbedingungen völlig unannehmbar sind,
sowie die Jugend, deren Zukunft vom Kapital ruiniert wird, sind
eine revolutionäre Kraft.
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